Gerettet zuerst, es kann der Tod doch noch kommen. Ein Todesfall mehr.
Viele Menschen empfinden das Überleben als die Hauptsache. Es gibt medizinische Notfälle, die Wartezeit zwischen Hoffen und Bangen dauert Ewigkeiten. 20 Min. schreibt, am kritischsten seien Lunge und Niere. Die Person sei aus Lutry, die gestorben ist.
Fachpersonal hofft und bangt mit.
Schwierig und auslaugend, nicht nur die Trauerfamilie und Angehörigen müssen verarbeiten.
Derweil in Lutry ein Trauermarsch. Lutry, wo ich wohnen wollte, heute froh bin, dass das Projekt flach fiel. Völlig logisch, dass dieses Thema sobald es nicht mehr öffentlich diskutiert wird, die Medien beherrscht, in eine Art Grundrauschen übergeht.
Es bleibt im Gedächtnis der Menschen, kann und wird getriggert werden. Alle kennens heute, in fünf Jahren ist nicht mehr auf der Oberfläche, aber es kommt sofort zurück z. B. bei jeder Meldung eines Brandes.
Beispiel: In Kandersteg war vor 20 Jahren Unwetter. In Brienz kam der Berg im 2025. Wer Kandersteg erlebt hatte, all diese Bilder, das Erleben, was die erste, grösste Not ist, das dumme Geschwätz nicht Betroffener, sofort ist es wieder da, so lebendig als geschehe es gerade.
Akademisch wirds Retraumatisierung genannt. Bloss wie damit umgehen? Ich bin inzwischen so geeicht, ich hörs an der Klangfarbe der Stimmen, wenn jemand traumatisiert, bzw. retraumatisiert spricht. Ich hörs an meiner eigenen Klangfarbe, ob ich in dem Modus bin.
Ist wie beim Leiterlispiel, zurück auf Feld eins.
Ich machs am liebsten mit mir und meinen Hobbies in meinen vier Wänden ab. Da müssen alle selbst rausfinden, was für sie stimmt. Selbsthilfegruppe finde ich am hilfreichsten. Es scheint die Lebensaufgabe zu sein, sich selbst kennen zu lernen.
Man musste damit rechnen, dass weitere Tote dazu kommen. Sich fest und straff machen, ich schaffs nicht. Das Zwiespältige daran ist: Leben, überleben ja, bloss wie wäre das Leben geworden, was hatte wieviel Schaden bekommen?
Behinderte rufen nicht sofort, dass es gut sei, dass jemand lebt. Es kommt auf die Umstände an. Wir haben mit unseren eigenen Umständen Erfahrung gesammelt. Es ist zwiespältig. Sowas muss man aushalten können, sich zuerst erarbeiten, ab und zu scheitern inklusive.
Neulich, ich musste mein Scheitern als jenseits meiner(!) Toleranzgrenze verteidigen: Sowas sei genau einmal vorgekommen, nun werde es anders angegangen. Ja, es gibt unsere Toleranzlimite, unseren eigenen Behinderungen gegenüber. Da staunt die sog. Mehrheit und wie!